Typische Bausteine selbstgesteuerten Lernens

Wir haben das Hildegard-von-Bingen-Gymnasium in Twistringen und das Gymnasium in Stolzenau besucht. Beide haben schon Erfahrungen mit dem selbstgesteuerten Lernen gemacht. Einige interessante Bausteine finden sich in den Konzepten beider Schulen:

  • In einigen Fächern/einigen Jahrgängen oder in bestimmten zeitlichen Blöcken gibt es keinen herkömmlichen Unterricht mehr, die Lernenden können in freien Lernzeiten selbst entscheiden, was, wie und mit wem sie lernen wollen. Immer wieder gibt es aber auch Instruktionsphasen, in denen Fachlehrer kompakt neue Fachinhalte vermitteln. Und natürlich stehen sie zur Beratung zur Verfügung
  • Lernende können in einem gewissen Rahmen entscheiden, wann sie in einem Fach eine Klassenarbeit schreiben möchten. Solche Überprüfungen darf man bei Misserfolg einmal wiederholen.
  • Lehrkräfte führen als Tutoren regelmäßig längere Einzelgespräche mit Lernenden und sie begleiten den Lernprozess. Sie behalten dabei im Blick, wo der Lernende steht, und unterstützen ihn.
  • Je nach dem, wie gut die Lernenden mit ihrer neuen Freiheit umgehen, dürfen sie mehr oder weniger selbst entschieden, wo sie sich im Schulgebäude aufhalten.

Warum halten wir diesen Schulentwicklungsprozess für notwendig?

Wir sind auch jetzt eine erfolgreiche Schule. Unsere Schüler:innen kommen nach wie vor in der Regel gerne in die Schule und sie erleben ihre Klasse und die Schule insgesamt als intakte Gemeinschaften. Das hat sich gerade auf unserer Schulfahrt an den Gardasee eindrucksvoll gezeigt. Unsere Angelaner:innen absolvieren in der überwältigenden Mehrheit auch einen erfolgreichen Bildungsweg und werden gut auf ihre Zukunft im „realen Leben“ vorbereitet.

Aber wie gehen wir damit um, dass heute viele Schüler:innen verunsichert sind, vor allem durch die bedrohlichen politischen und gesellschaftlichen Konflikte und die nicht absehbaren Auswirkungen, die sich aus der Verbreitung künstlicher Intelligenz ergeben? Die Lebenswirklichkeit von Kindern und Jugendlichen hat sich verändert. Zum Beispiel beteiligen sich heute weniger Schüler:innen aktiv am gesellschaftlichen Leben, etwa in Jugendgruppen oder Sportvereinen. Sie verbringen viel Zeit in passiver, konsumierender Haltung zum Beispiel mit Social Media. Vielen mangelt es an Erfahrungen der Selbstwirksamkeit. Ganz konkret nehmen wir wahr, dass mehr Kinder und Jugendliche unter emotionalen Nöten, vor allem unter Gefühlen der Einsamkeit leiden.

Wenn wir unserer Verantwortung als christlicher Schule gerecht werden wollen, müssen wir die Beziehungen zwischen den Menschen stärken, unter den Schüler:innen sowie zwischen Schüler:innen und Lehrkräften.

Auch das Lernen muss sich verändern. Wissenschaftler sagen: Lebenslanges Lernen ist im Berufsleben der Zukunft wichtiger denn je, also Lernen auch jenseits von Schule, Hochschule oder Universität. Wissen bleibt wichtig, aber Kompetenzen spielen eine größere Rolle als einzelne Lerninhalte.

Wir müssen also stärker darauf achten, dass Schüler:innen lernen, ihre Lernprozesse selbst zu organisieren und dabei selbst Verantwortung für ihr Lernen zu übernehmen.

Wenn uns das gelingt, dann werden sie ihren Bildungsweg zum Beispiel über das Abitur ins Studium hinein erfolgreicher gestalten können. Sie sollen aus einer passiven in eine aktive Haltung kommen. Beispiele anderer Schulen zeigen, dass das gelingen kann und dass selbstgesteuertes Lernen Schüler:innen motiviert. Dadurch können Lernprozesse individueller gestaltet werden: Der eine Lernende braucht vielleicht noch eine weitere Übungsschleife, der andere kann sich schon neuen Themen zuwenden. 

„Selbstgesteuert“ heißt übrigens nicht „sich selbst überlassen“. Im Gegenteil: In den Phasen, in denen die Schüler:innen selbstständig lernen, brauchen sie eine enge und sensible Begleitung. Lehrkräfte müssen erkennen: Wo steht die/der Lernende im „Stoff“? Wo steht sie/er in ihrer/seiner Fähigkeit, sich selbst zu organisieren? Was hindert sie/ihn am Erfolg? Das ist für Lehrer:innen ein neuer Ansatz und eine neue Herausforderung.

Wir wollen uns daher darin fortbilden, Lernen eng und sensibel zu begleiten.  

Der Schulentwicklungsprozess an der Angelaschule – eine Übersicht

1. Konzept „Gebündelter Unterrichts“
(Umsetzung im Schuljahr 2026/27 im Jahrgang 5)

  • Bündelung der Unterrichtsstunden in den meisten Nebenfächern in einem der beiden Halbjahre.
    Beispiel Geschichte:
    • bisher zwei Geschichtsstunden pro Woche, in beiden Schulhalbjahren
    • ab Schuljahr 26/27: vier Stunden pro Woche, aber nur in einem Halbjahr
  • insgesamt nur noch 8 (früher 11) benotete Fächer pro Woche bei gleicher Gesamtstundenzahl
  • Ziele:
    • mehr Aufmerksamkeit der Schüler:innen für die einzelnen Fächer
    • engere Lehrer:innen-Schüler:innen-Beziehungen durch Reduzierung der Lerngruppen für die Lehrkräfte
    • mehr Kontinuität und Konzentration innerhalb des Halbjahres
    • bessere Möglichkeiten für projektorientiertes Arbeiten
    • leichtere Eingewöhnung der neuen 5.-Klässler:innen an der Angelaschule

2. Teilnahme am Projekt „Schule gestalten. Potenziale entfalten“
(seit April 2026)

  • Projektpartner: Grundschule Bad Essen, Erich-Kästner-Schule Bohmte, Oberschule Bohmte, Thomas-Morus-Schule
  • finanziert und organisiert von der Friedel & Gisela Bohnenkamp-Stiftung, Projektleiterin Carola Heumann (bis Sommer 2025 Kollegin unserer Schule)
  • außerdem beteiligt: Schulstiftung im Bistum Osnabrück, Regionales Landesamt für Schule und Bildung, Unternehmensberatung tdlc-Innovation GmbH.
  • Fortbildungsreihe für das Kollegium – zentrale Themen: Lernbegleitung, selbstgesteuertes Lernen, Motivation und Selbststeuerung
  • Entwicklung von Konzepten zum selbstgesteuerten Lernen mit Unterstützung durch ein multiprofessionelles Team aus Schulentwicklungsberatern und Unternehmensberatern

3. Umsetzung erster Konzepte zum selbstgesteuerten Lernen
(vermutlich ab Schuljahr 2027/28)