Warum halten wir diesen Schulentwicklungsprozess für notwendig?

Wir sind auch jetzt eine erfolgreiche Schule. Unsere Schüler:innen kommen nach wie vor in der Regel gerne in die Schule und sie erleben ihre Klasse und die Schule insgesamt als intakte Gemeinschaften. Das hat sich gerade auf unserer Schulfahrt an den Gardasee eindrucksvoll gezeigt. Unsere Angelaner:innen absolvieren in der überwältigenden Mehrheit auch einen erfolgreichen Bildungsweg und werden gut auf ihre Zukunft im „realen Leben“ vorbereitet.

Aber wie gehen wir damit um, dass heute viele Schüler:innen verunsichert sind, vor allem durch die bedrohlichen politischen und gesellschaftlichen Konflikte und die nicht absehbaren Auswirkungen, die sich aus der Verbreitung künstlicher Intelligenz ergeben? Die Lebenswirklichkeit von Kindern und Jugendlichen hat sich verändert. Zum Beispiel beteiligen sich heute weniger Schüler:innen aktiv am gesellschaftlichen Leben, etwa in Jugendgruppen oder Sportvereinen. Sie verbringen viel Zeit in passiver, konsumierender Haltung zum Beispiel mit Social Media. Vielen mangelt es an Erfahrungen der Selbstwirksamkeit. Ganz konkret nehmen wir wahr, dass mehr Kinder und Jugendliche unter emotionalen Nöten, vor allem unter Gefühlen der Einsamkeit leiden.

Wenn wir unserer Verantwortung als christlicher Schule gerecht werden wollen, müssen wir die Beziehungen zwischen den Menschen stärken, unter den Schüler:innen sowie zwischen Schüler:innen und Lehrkräften.

Auch das Lernen muss sich verändern. Wissenschaftler sagen: Lebenslanges Lernen ist im Berufsleben der Zukunft wichtiger denn je, also Lernen auch jenseits von Schule, Hochschule oder Universität. Wissen bleibt wichtig, aber Kompetenzen spielen eine größere Rolle als einzelne Lerninhalte.

Wir müssen also stärker darauf achten, dass Schüler:innen lernen, ihre Lernprozesse selbst zu organisieren und dabei selbst Verantwortung für ihr Lernen zu übernehmen.

Wenn uns das gelingt, dann werden sie ihren Bildungsweg zum Beispiel über das Abitur ins Studium hinein erfolgreicher gestalten können. Sie sollen aus einer passiven in eine aktive Haltung kommen. Beispiele anderer Schulen zeigen, dass das gelingen kann und dass selbstgesteuertes Lernen Schüler:innen motiviert. Dadurch können Lernprozesse individueller gestaltet werden: Der eine Lernende braucht vielleicht noch eine weitere Übungsschleife, der andere kann sich schon neuen Themen zuwenden. 

„Selbstgesteuert“ heißt übrigens nicht „sich selbst überlassen“. Im Gegenteil: In den Phasen, in denen die Schüler:innen selbstständig lernen, brauchen sie eine enge und sensible Begleitung. Lehrkräfte müssen erkennen: Wo steht die/der Lernende im „Stoff“? Wo steht sie/er in ihrer/seiner Fähigkeit, sich selbst zu organisieren? Was hindert sie/ihn am Erfolg? Das ist für Lehrer:innen ein neuer Ansatz und eine neue Herausforderung.

Wir wollen uns daher darin fortbilden, Lernen eng und sensibel zu begleiten.  

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.