Wie arbeiten die Schülerinnen und Schüler?

Justus Warnecke berichtet über die Struktur seiner Arbeitsgruppe:

Unsere Gruppe ist in folgende zwei Teile aufgeteilt. Es gibt einmal das Rechnerteam, welches sich um das Planspiel kümmert und die Werte im Spiel der jeweiligen Periode anpasst. Dann gibt es das Marketing Team, welches sich um die Präsentation am Donnerstag kümmert und das Produkt entwickelt. Das Marketing Team besteht aus vier Leuten, wobei sich zwei um das Werbevideo kümmern und zwei um die Präsentation. Das Rechenteam besteht aus drei Personen, von denen sich zwei um die Auswertung der vergangenen Spielperioden kümmern und eine Person die Zahlen einträgt und Optimierungsvorschläge bringt.

Es läuft … es entwickelt sich …

Man hört heute: „Hol mal die Marktanalyse.“ „Tausend neue Facharbeiter!“ „Wenn wir die Maschinenkapazität runterschrauben, sparen wir ne Menge Geld.“ „Schaut mal, ob bei euch was von Fertigware steht.“ „Haben wir denn so ca. 25 Millionen Stück zur Verfügung?“ „Irgendwann müssen wir mal expandieren.“ „Du willst kochen, aber hast keine Nudeln. Wie willst du dann Nudeln kochen?“

Was passiert? Inzwischen sind die Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer in der dritten Spielperiode angekommen, wobei jede Spielperiode drei Monate mit dem Unternehmen simuliert. Während es in den ersten beiden Phasen darum ging, sich mit den Gepflogenheiten des Unternehmens vertraut zu machen, sich am Markt zu konsolidieren und eine Marketingstrategie voranzubringen, gibt es in der dritten Runde eine besondere Herausforderung zu bewältigen: Ein beträchtlicher Teil der imaginären Mitarbeiter ist im Urlaub, was bedeutet, dass die Kosten gleich bleiben, die Produktionskapazität aber sinkt. Das wiederum kann problematisch werden, wenn man vorher zu knapp gewirtschaftet hat …

Warum MIG – Aus Referentensicht

Luisa Müllmann, Marketing und Kommunikation, Piepenbrock Unternehmensgruppe gGmbH + Co. KG

„Ich mache beim Management Information Game mit, weil ich es wichtig finde, Schule und Praxis ein Stück näher zusammenzubringen. Das Format gibt Schüler:innen die Möglichkeit, wirtschaftliche Zusammenhänge selbst zu erleben, Entscheidungen zu treffen und im Team Lösungen zu entwickeln. Mit meinem Vortrag zum Marketing möchte ich ein paar Einblicke aus der Praxis beisteuern.  Dabei geht es mir weniger darum, fertige Antworten zu liefern, sondern eher darum, Denkanstöße zu geben und unterschiedliche Perspektiven aufzuzeigen.

Besonders gern bin ich auch bei den Abschlusspräsentationen dabei. Ich finde es jedes Mal spannend zu sehen, was die Teams innerhalb weniger Tage auf die Beine stellen und welche unterschiedlichen Lösungsansätze dabei entstehen.“

Immer den Kunden im Fokus …

Über alles rund um Werbung informierte Luisa Müllmann von der Piepenbrock Unternehmensgruppe GmbH + Co. KG, selbst ehemalige Angelaschülerin, nun Referentin für Personalmarketing und Employer Branding. Verschiedene Strategien der Werbung sollen den Schülerinnen und Schülern helfen, ihr Produkt zu vermarkten: Reicht es, allein das Produkt in Szene zu setzen? Soll der Stil eher sachlich sein oder eher emotional? Bedarf es eines prominenten Gesichts, das die Marke bekannt macht? Warum aber kann es auch riskant sein, wenn sich die Marke zu sehr an einen Promi bindet? Für welche Kunden wird das Produkt entworfen? Wie sieht es aus mit Influencer-Marketing? Welche Funktion hat die Story, die der Werbespot erzählt? Vielfältige Entscheidungen müssen nach diesem informativen theoretischen Input im Laufe des Tages getroffen werden …

Einen Staubsauger? Einen Rollator?

An die Arbeit also für die drei Gruppen: Nach demokratischer Abstimmung entschieden sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, dass ein Grill das Produkt sein soll, das alle entwickeln sollen – nun je Gruppe in einem separaten Raum, Zutritt nur bei Erlaubnis nach Klopfen. Schließlich sollen ja keine Betriebsgeheimnisse preisgegeben und so womöglich den Konkurrenten ein Vorteil verschafft werden.

Seminarleiter Dominik Köppen vom Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft gGmbH, Unternehmer und Vermögensverwalter, hat selbst als Schüler am Management Information Game teilgenommen und betont, wie wichtig außerschulische Erfahrungen sind. Darüber erklärte er den Schülerinnen und Schülern, welches große Maß an Eigenverantwortung ihnen zukommt, und auch die Rolle von KI wurde thematisiert: „Fragt mich alles, doch umsetzen müsst ihr selbst.“

Zahlen, Fakten, Wissen …

Ich war mal für drei Stunden weg … auf einmal haben alle Ahnung, ich hingegen verstehe – wenig: „Euer eigenes Zahlungsverhalten könnt ihr frei variieren.“ „Als Unternehmen habt ihr andere Zahlungsfristen.“ „Skonto ist die Rabattierung der Rechnung für eine schnelle Zahlung.“ „Hängt noch mit dem Pfändungsrecht zusammen, müsst ihr aber schauen, ob ihr euch das leisten könnt.“ „Ihr müsst Möglichkeiten finden, eure Kosten zu decken.“ „Personalplanung“ „Fluktuation“ „Maschinenbestand und kumulierte Abschreibung“ „Am Ende der Periode müsst ihr auf jeden Fall einen Kredit aufnehmen.“ – Was bitte ist hier passiert? Alle wirken total professionell und sind tief eingestiegen in das Thema der Finanz- und Unternehmensplanung … 

Mal kurz reingeschaut und direkt was gelernt …

Geplant: Ein kurzer Blick, wie es so läuft. Bekommen: Ein spannendes Gespräch über Brand Building mit interessanten Erkenntnissen, wie beispielsweise, dass Marken als solche so präsent sind, dass locker über drei Runden jeder der Teilnehmenden eine beliebige Marke benennen konnte, von Lebensmitteln über Auto- und Computermarken bis hin zu Fashion vom Feinsten.

Oder auch: Eine Studie zeigte, dass 94% der Menschen die Marke CocaCola kennen … und warum sie trotzdem noch Werbung machen und dass Marken der wertvollste immaterielle Besitz einer Firma sind.

Und zudem: Zehn Unternehmen besitzen alle großen Weltmarken. Ob Cornflakes, Kakaopulver oder Orangenlimonade – diesen Markenriesen zu entgehen, ist schwer. (Quelle der Infografik: https://www.absatzwirtschaft.de/diese-zehn-unternehmen-besitzen-alle-grossen-weltmarken-212856/)

Darüber hinaus: Warum Corporate Identity wichtig ist und wie man sie herstellt.

Es bleibt spannend, wie die „Jungunternehmer:innen“ dieser Woche das Gelernte für ihre Arbeit nutzbar machen werden.

Warum MIG? – Aus Lehrersicht

Herr Koltermann:

„Ich habe mich für die Umsetzung des Management Information Game an der Angelaschule eingesetzt, weil ich den Schülerinnen und Schülern einen praxisnahen Einblick in wirtschaftliche Prozesse und unternehmerisches Denken ermöglichen möchte, was im alltäglichen Unterricht in Teilen zu kurz kommt. Das Projekt bietet interessierten Schülern die Gelegenheit, Einblick in diesen Bereich zu erhalten und ermöglicht es auf besondere Weise, theoretisches Wissen mit realitätsnahen Entscheidungen und Teamarbeit zu verbinden. Ferner stärkt es wichtige Kompetenzen wie Kommunikation, Problemlösung und verantwortungsbewusstes Handeln. Mir ist es ein besonderes Anliegen, Schule und Wirtschaft stärker miteinander zu verknüpfen und den Jugendlichen neue Perspektiven für ihre Zukunft zu eröffnen.“

Warum MIG? – Aus Unternehmersicht

Mirko Kohlbrecher, Prokurist und Vermögensbetreuer bei der Spiekermann & Co AG

„Ich übe meinen Beruf als Vermögensverwalter seit über 30 Jahren mit großer Leidenschaft aus und gebe meine Erfahrungen aus meiner täglichen Praxis gerne an andere weiter. Während die Schule das wichtige theoretische Fundament vermittelt, bildet das Wissen über die Börse und den Umgang mit Kapital eine entscheidende Ergänzung für die persönliche und finanzielle Zukunft. Mit meinem Vortrag möchte ich praxisnah aufzeigen, worauf es für den langfristigen Erfolg an den Kapitalmärkten wirklich ankommt.“

Simone Jahnke, Teamleitung Marketing und Kommunikation, Prowind GmbH

„Als regional verwurzeltes Unternehmen ist es uns wichtig, junge Menschen bei ihrer beruflichen Orientierung zu unterstützen. Das Management Information Game vermittelt wirtschaftliche Zusammenhänge praxisnah und fördert wichtige Kompetenzen wie Teamarbeit, Verantwortungsbewusstsein und unternehmerisches Denken. Die Energiewende braucht engagierte und gut ausgebildete Fachkräfte – deshalb freuen wir uns, Schülerinnen und Schülern durch unsere Unterstützung die Möglichkeit zu geben, wertvolle Erfahrungen für ihren weiteren Berufs- und Lebensweg zu sammeln.“

Alischa Westemeyer, Manager Corporate Communication, Felix Schoeller & Co. KG

„Als regional verwurzeltes Familienunternehmen investiert Felix Schoeller bewusst in die Nachwuchsförderung der Angelaschule Osnabrück, um die Brücke zwischen Bildung und Wirtschaft für junge Menschen zu stärken. Das praxisnahe Planspiel bietet Schülerinnen und Schüler eine sehr gute Möglichkeit, sich früh mit ökonomischen Themen und dem unternehmerischen Denken zu befassen und vermittelt Kompetenzen, die für Ausbildung, Studium und Beruf entscheidend sind. Wir freuen uns, hierbei unterstützen zu dürfen und hoffen, viele junge Menschen für die Wirtschaft begeistern zu können.“